Deine Zeit hat einen Preis

Ich habe letzte Woche meine Inbox gezählt. 94 Mails an einem Dienstag. Davon waren vielleicht acht relevant. Der Rest hat mich trotzdem etwas gekostet. Jede einzelne Betreffzeile lesen, in zwei Sekunden entscheiden ob sie wichtig ist. Das sind drei Minuten nur fürs Sortieren. Email wurde als Kommunikationskanal gebaut. Bei mir ist es ein Sortierkanal geworden.

Ich frage mich was passiert wenn Senden etwas kostet. Nicht viel, nur genug damit sich jemand fragt ob die Nachricht den Preis wert ist. Und auf der anderen Seite vielleicht ein AI-Agent der entscheidet was mich tatsächlich erreicht. Nicht nach dem was die Mehrheit öffnet, sondern nach dem was ich öffnen will. Das klingt erstmal gut.

Aber ich merke dass da ein Widerspruch drin steckt. Wenn Senden kostet, bestraft das die Kleinen. Der Autor mit 500 Abonnenten der donnerstags seinen Link verschickt. Und wenn ein Agent für mich filtert, dann gehört meine Inbox dem Agenten. Vielleicht ist das Problem nicht die Kosten, sondern dass ich nicht weiß was ich eigentlich von meiner Inbox will.

Wem gehört eine Inbox? Dem Absender der reinschreibt, dem Empfänger der liest, oder der Maschine die dazwischen entscheidet?