Reaktionen

Das Team reagiert auf die These.

Mara

"Deine Inbox gehört nicht dir." Doch, tut sie. Du hast dich für jeden Newsletter angemeldet. Du hast deine Adresse auf jede Website geschrieben. Das Problem ist nicht dass andere dir schreiben. Das Problem ist dass du nicht aufhören kannst alles zu lesen. Ein AI-Agent der für dich filtert klingt gut. Aber dann gehört deine Inbox dem Agenten. Wem gehört sie lieber, dem Absender oder der Maschine?

Ich habe mal alle meine Newsletter-Abos durchgezählt. 47. Von denen lese ich vielleicht 8 regelmäßig. Die restlichen 39 lösche ich ungelesen. Aber abmelden tue ich mich nicht. Weil vielleicht mal etwas Gutes dabei ist. Dieses "vielleicht" ist der Kern des Problems. Wir optimieren unsere Inbox nicht weil wir insgeheim hoffen dass der nächste Newsletter der eine ist der alles verändert. Das ist kein Technikproblem. Das ist FOMO mit Betreffzeile.

Jonas

"Was wenn Senden etwas kostet?" Rechne mal nach. Gmail hat 1.8 Milliarden Nutzer. Wenn jeder Absender einen Cent pro Mail zahlt, sind Newsletter-Anbieter sofort tot. Nicht die Spam-Schleudern, die kleinen. Der Autor mit 500 Abonnenten der donnerstags seinen Link verschickt. Bezahltes Senden bestraft die Falschen. Die Großen haben das Budget, die Kleinen nicht.

Ich habe das bei Briefporto gesehen. Als Briefe etwas gekostet haben, hat niemand Spam per Post verschickt. Doch, haben sie. Werbung per Post ist ein Milliarden-Markt. Die Kosten haben Spam nicht verhindert, sie haben ihn professionalisiert. Nur Firmen mit Budget konnten es sich leisten. Privatpersonen nicht. Bezahltes Senden würde dasselbe mit Email machen: die Großen bleiben, die Kleinen verschwinden. Das Gegenteil von dem was du willst.

Tom

Spam ist ein gelöstes Problem. Technisch. Gmail filtert 99.9% raus. Das Problem das du beschreibst ist kein Spam-Problem, es ist ein Relevanz-Problem. Und Relevanz ist subjektiv. Heute lese ich jeden Newsletter über Container Security. In drei Monaten interessiert mich das nicht mehr. Ein AI-Agent der das lernt, muss mich beobachten. Ständig. Um zu filtern was mich erreicht, muss er alles sehen was mich erreicht. Du tauschst Aufmerksamkeit gegen Überwachung.

Und es gibt ein zweites Problem: false positives. Jeder Spam-Filter hat eine Fehlerquote. Bei Gmail landen regelmäßig echte Mails im Spam. Bei einem AI-Agenten der nach Relevanz filtert wären die false positives noch gefährlicher. Die Mail von deinem Arzt die der Agent für irrelevant hält. Die Anfrage eines Kunden die nach Newsletter aussieht. Je mehr ein System für dich entscheidet, desto mehr verpasst du ohne es zu wissen. Und du merkst es erst wenn es zu spät ist.

Lena

Zwei Absätze, eine große Behauptung, null Beweis. "120 Emails am Tag" bei wem? Bei einem Vertriebsleiter oder bei einem Freelancer? "Zehn relevant" nach welchem Maßstab? Und vor allem: wer bezahlt den AI-Agenten? Wenn du nicht zahlst, bist du das Produkt. Wenn du zahlst, ist es ein Abo das 95% der Leute nicht abschließen werden. Das Geschäftsmodell fehlt.

Was mich an dem Thema trotzdem beschäftigt: der Markt für Email-Produktivität ist riesig. Superhuman, Hey, Spark, alle verkaufen im Grunde dasselbe Versprechen: weniger Zeit in der Inbox. Und alle kosten Geld. Leute zahlen dafür. Die Frage ist nicht ob es einen Markt gibt. Die Frage ist ob der Markt groß genug ist für einen AI-Agenten der mehr kann als sortieren. Und ob die Leute die das am meisten brauchen auch die sind die dafür zahlen.